KFZ Adler

Seit dem Kauf unseres Autos lief der Anlasser nicht perfekt. Der Motor ist zwar immer angesprungen, manchmal aber erst nach mehreren Versuchen. Die Fehlversuche haben sich angehört, als würde etwas durchdrehen - erste Vermutung war, dass das Ritzel des Anlassers nicht richtig in den Zahnkranz greift. Wir hatten das Vertrauen, dass es für die ersten Kilometer der Reise kein Problem sein wird - aber für die lange Reise nach Osten war hier natürlich Handlungsbedarf, und wir haben das Problem auf unserer Prioritäten Liste weit nach oben gesetzt.

Bei unserer durch Graz, wo die G-Klasse bis heute gebaut wird, war der perfekte Moment gekommen, das Problem anzugehen. Hier sitzen Firmen wie S-Tech, die Ersatzteile für alte G-Modelle anbieten, sowie einige Werkstätten, die sich mit dem Auto bestens auskennen.

Ich habe zunächst bei einer Werkstatt angerufen, die ich über Google entdeckt habe. Dort war man ausgebucht, hatte keine Zeit für uns. Doch auf meine Rückfrage, ob sie eine Empfehlung haben, habe ich den Kontakt von Luis Adler in Krumegg bekommen. Diese kleine Rückfrage sollte sich als riesiges Glück herausstellen. Wir haben mit Herrn Adler telefonisch einen Termin vereinbart, und konnten schon einige Tage später dort vorbeischauen.

 

Unser “Giovanni” zum ersten mal auf der Bühne.

 

Anlasser:

Wir haben zunächst einen (nicht originalen) Anlasser bestellt und eingebaut. Zu unserer Überraschung hat der nicht sauber gegriffen, und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass das Problem evtl. beim Zahnkranz liegen könnte. Hier ging eine etwas längere Reise los - Der neue Zahnkranz wurde bei S-Tech bestellt, währenddessen wurde das Auto auf die Bühne gefahren und das Getriebe ausgebaut. Der alte Zahnkranz hatte sichtbare Abnutzungserscheinungen, und wurde dann “gewaltsam” entfernt, da er zur Montage erhitzt wird und fest mit dem Schwungrad verbunden ist. Der neue Zahnkranz von S-Tech war schnell vor Ort und wurde eingebaut.

 

Der alte Zahnkranz wird entfernt.

 

Da an dieser Stelle das Getriebe schon geöffnet war, haben wir uns dazu entschlossen, direkt die Kupplungsscheibe zu tauschen, weil sie schon deutlich abgenutzt war - auch die neue Kupplungsscheibe konnte von S-Tech schnell bereitgestellt werden. Da wir eine lange Reise vor uns haben, war das sicher eine gute Entscheidung, denn wie man auf dem Foto sieht, wurde hier schon stellenweise an den Schrauben gekratzt.

(Ich meine mir einzubilden, dass ich beim Anfahren - und ausschließlich im ersten Gang - manchmal ein leichtes Ruckeln gespürt habe. Seit dem Einbau der neuen Kupplung ist dass Gefühl verschwunden.)

 

Die alte Kupplung ist abgenutzt - mit dem ausgebauten Getriebe die perfekte Gelegenheit für eine neue.

 

Bevor das Getriebe wieder endgültig verbaut wurde, wurde es komplett gereinigt, gefettet und für die nächsten Jahre vorbereitet.

 

Reinigung des Getriebes

 

Mit geschlossenem Getriebe und neuem Anlasser haben wir nun den zweiten Startversuch unternommen. Lieder wieder das gleiche seltsame Kratzgeräusch. Einerseits bitter, denn der Ausbau des Getriebes ist aufwändig, andererseits auch gut, denn wir hatten so eine neue Kupplung und einen neuen Zahnkranz. So konnten wir zumindest sicher sein, dass das Problem irgendwo beim Anlasser selbst liegt.

Hier ging die Reise weiter. Um sicherzustellen, dass das Problem nicht beim günstigeren “Fake” Anlasser liegt, haben wir noch mal einen originalen Anlasser von Mercedes bestellt. Nachdem dieser eingebaut war, zusammen mit dem brandneuen Zahnkranz, starteten wir den dritten Versuch. Ihr könnt es euch denken: Gleiches Problem wie vorher, das Geräusch sogar noch schlimmer.

Da standen wir nun - ich als absoluter KFZ Laie, neben mir ein verblüffter G-Veteran, der seit 40 Jahren ausschließlich G-Klassen repariert, sogar in Afghanistan und Madagaskar war, um dort Fahrzeuge des Militärs und der Kirche zu reparieren. Dieses Problem hatte er in seiner langen Karriere och nicht erlebt.

 
 

Jetzt mussten wir an die Detailarbeit. Wir haben die 3 vor uns liegenden Anlasser miteinander verglichen, und festgestellt, dass diverse Durchmesser und Längen minimal unterschiedlich waren. So sind wir auf die Idee gekommen, beim Gehäuse des alten Anlassers zu bleiben - der ja viele Jahre tadellos funktioniert hatte - und einen Blick ins Innere zu werfen.

Das Zerlegen des Anlassers ist etwas mühsam, doch für einen Experten wie Luis hatten wir das Teil schnell zerlegt. Die Spulen und Elektrik schienen okay zu sein, doch das Ritzel schien ein Problem mit der Freidreh Funktion zu haben. Luis hatte noch ein paar neue Ritzel auf Lager. Wir haben ein neues Ritzel eingebaut, die Teile gereinigt und gefettet, und den Anlasser wieder zusammen gesetzt.

 
 

Wieder ein Versuch - an der Stelle waren wir mit unseren Ideen am Ende aller Möglichkeiten angelangt, und eine gewisse Anspannung war spürbar. Nervös habe ich den Zündschlüssel gedreht - aber tadaaa — der Anlasser springt sofort in den Zahnkranz und hört sich an wie neu. Was für eine Erleichterung!

(Hier gibt es ein paar ungelöste Fragen: Warum haben beide neuen Anlasser nicht funktioniert? Diese Frage konnten wir nicht beantworten. Wenn jemand von euch da draussen eine Ahnung hat, schickt mir gerne eine E-Mail!)

An der Stelle war das größte Problem gelöst!

Wir haben allerdings die Gelegenheit genutzt, eine Reihe von Ersatzteilen für unsere Reise zu bestellen:

  • Der Tacho stand seit einiger Zeit still, und Luis hatte noch einen funktionierenden Tacho auf Lager. Dieser hat jetzt zwar 30.000km weniger - was eigentlich gut für den Werterhalt des Autos ist ;-) - aber wir haben es natürlich offiziell notiert und bei der Versicherung gemeldet.

  • Die Lankungsdämpfer von alten G-Klassen gehen gerne mal kaputt. Hier haben wir einen neuen eingebaut, und noch einen weiteren mitgenommen.

  • Den alten Zahnkranz sowie die alte Kupplung haben wir mitgenommen - man weiß ja nie.

  • Einen Satz neue Radlager haben wir noch mit eingepackt.

  • Luftfilter, Kraftstofffilter und Kraftstoffvorfilter hatten wir schon auf Lager, daher hier nichts neues.

 
 

Am Ende haben wir 3 Nächte bei Familie Adler verbracht, wurden wahnsinnig herzlich empfangen, und hatten auch neben der Expertise von Luis eine tolle Zeit. Wir haben erzählt, zusammen Wein getrunken und wurden sogar bekocht. Luis hatte vor vielen Jahren immer wieder den legendären G von Günther Holdorf auf der Bühne, und hat uns stolz seine Fotoalben gezeigt. Wir sind wahnsinnig dankbar, diesen Ort, diese Menschen, diese Expertise und diese Herzlichkeit gefunden zu haben. Unser G sollte jetzt für einige Länder der Reise gerüstet sein, und wir blicken mit diesem Werkstatt Besuch auf tolle Erinnerungen zurück.

Übrigens - es gab ein paar tolle Fundstücke :-)

 

So sieht die nackte Karosserie aus.

 
 

Und dieser G wurde mit Fotos aus dem legendären “Würth” Kalender aufgewertet.