Neue Elektrik
Nach dem Kauf des Autos haben wir zunächst die bestehende Elektrik beibehalten. Zum einen hätte kurz vor Beginn der Reise die Zeit gefehlt, dieses umfangreiche Thema anzugehen, und zum anderen wollten wir erst mal in der Praxis erfahren, wo die Bedürfnisse liegen, um besser planen zu können, was bestehen bleiben kann, und was erneuert werden soll. Dazu kommt, dass wir schon früh wussten, dass im Kosovo die Lackierung und Innenraum-Restaurierung des Autos stattfinden wird. Da auch der Innenausbau entfernt werden sollte, haben wir geplant, bei der Gelegenheit neue Kabel zu verlegen.
Ausgangssituation der Elektrik beim Kauf des Autos
2x 12V Säurebatterien (guter Zustand) im Motorraum als Starterbatterien, in Serie geschaltet zu einem 24V System, wie es beim Militär üblich war
1x 12V AGM Verbraucher Batterie (guter Zustand) hinter dem Fahrersitz
Victron Energy 24/12 Converter, der während der Fahrt beide Systeme verbindet und die Verbraucher Batterie laden kann
1x kleines PV-Panel, ca. 30 Watt, auf der Dachkiste montiert
Victron Energy Solar Laderegler (ohne Bluetooth), verbunden mit der 12V Verbraucher Batterie
Sicherungskasten (nur +) mit 6 Ausgängen sowie zusätzliche Masseschiene mit 6 Ausgängen
Strom am Sicherungskasten nicht direkt über Batterie, sondern über den Lastausgang des Solar Ladereglers
Planar Standheizung unter dem Fahrersitz, Stromversorgung über 12V Verbraucher Batterie
Diverse 12V Steckdosen, USB Steckdosen sowie Controller der Standheizung in einem kleinen Schaltkasten sowie im Fahrzeug verteilt
Radio Stromversorgung umgelegt auf 12V Verbraucher Batterie
Nach dem Ausbau der Inneneinrichtung: Links hinter dem Fahrersitz befindet sich die Batterie, die oben genannten Geräte sowie die Verkabelung. alles in einem einfachen Holzkasten kompakt verstaut.
An der Seitenwand befestigt sieht man das kleine Schaltpanel mit 12V Steckdosen, USB Steckdose, einem Lichtschalter für die Deckenbeleuchtung sowie dem Controller der Standheizung.
Das Rohr im Vordergrund kommt von der Standheizung unter dem Fahrersitz und bildet hier bei eingebauter Einrichtung den Auslass der Warmluft in die Kabine.
Bewertung des bestehenden Systems
Positives
Trennung von Starterbatterie(n) und Verbraucherbatterie, wie bei den meisten Campern üblich
Verbindung beider Systeme durch einen hochwertigen Converter von Victron Energy
Hochwertiger Solar Laderegler von Victron Energy vorhanden und mit Verwendung des Lastausgangs gut verkabelt
Sehr gute Planar Standheizung verbaut und funktionsfähig
Position des Batteriefachs hinter dem Fahrersitz sehr gut, da auch hier die Standheizung verbaut ist (Kabelbaum), der Schwerpunkt möglichst tief gewählt ist und das Fach bei eingebauter Innenausstattung schön versteckt unter dem Gepäckbereich liegt.
Negatives
Kleines PV Panel mit wenig Leistung, darüber hinaus fest Verbaut ohne die Möglichkeit der individuellen Ausrichtung nach dem Sonnenstand
Kleiner Sicherungskasten mit nur 6 Ausgängen und daher für zusätzliche Verbraucher schnell zu wenig.
Größe des Batteriefachs für unsere Planung etwas zu klein
Schwere Zugänglichkeit zu dein einzelnen Geräten und insgesamt unübersichtlich
Sehr kleiner Schaltkasten und keine zentrale Steuerung aller Verbraucher von einem Ort aus
Planung der Neuerungen
Unser Fazit: Die Grundlage ist sehr gut, und wir können vieles beibehalten und darauf aufbauen. Wir wissen vom Vorbesitzer, dass auch bei ihm vor seiner Reise sehr wenig Zeit war. In Anbetracht dessen ist es beeindruckend, wie viel hier schon überlegt und umgesetzt wurde. Da wir nun etwas mehr Zeit zur Verfügung haben, können wir in Ruhe ein paar updates vornehmen und an den Details arbeiten.
Positionierung: Die Position der fest unter dem Fahrersitz verbauten Standheizung sowie die Position des Batteriefachs bleiben exakt so bestehen, allerdings vergrößern wir das Fach so, dass die alten und neuen Geräte vertikal angebracht werden können und somit mehr Ordnung bei der Kabelführung entsteht. Der neue Holzkasten soll zwei Klappen bekommen, eine mit Zugriff auf die Batterie, und eine mit Zugriff auf die nebeneinander aufgehängten Geräte und deren Verkabelung.
Lademöglichkeit 1 (Fahren): Beim Fahren wird weiterhin der bestehende 24/12 Converter von Victron Energy verwendet.
Lademöglichkeit 2 (Solar): Das am Dach fest montierte PV-Panel wird durch ein stärkeres PV-Panel ersetzt, das zudem nicht mehr am Dach montiert wird (wo wir sehr wenig Platz haben), sondern durch ein größeres, faltbares Panel ersetzt wird, das wiederum basierend auf dem Sonnenstand frei ausgerichtet werden kann. Wir haben uns zuvor nicht mit PV-Panels beschäftigt, und erst bei genauerer Recherche herausgefunden, wie sehr die Leistung abfallen kann, wenn das Panel nicht perfekt ausgerichtet ist. Zudem ersetzen wir den vorhandenen Solar Laderegler durch ein neues, fast baugleiches Modell mit Bluetooth Unterstützung, um das Panel mit Hilfe der App perfekt ausrichten zu können.
Lademöglichkeit 3 (230V Netz): Um auch bei Versorgung mit Landstrom die Verbraucherbatterie laden zu können, kaufen wir zusätzlich ein Ladegerät für 230V Stromnetz von Victron Energy, ebenfalls mit Bluetooth Unterstützung, um den Ladestatus der Batterie beobachten zu können.
Schaltpanel: Es soll zudem ein neues Schaltpanel gebaut werden, mit dem alle Verbraucher zentral gesteuert werden können. Darüber hinaus sollen hier auch 12V Steckdosen, USB Steckdosen sowie der Controller der Standheizung zu finden sein.
Verbraucher: Basierend auf unseren Erfahrungen bringen wir ein paar zusätzliche Leuchten und Steckdosen an. So haben wir zum Beispiel festgestellt, dass es lästig ist, im Dachzelt kein Strom zu haben. Während der Lackierung des Autos haben wir ein Kabel ins Dachzelt gelegt, um Dort eine USB Steckdose für die LED Beleuchtung und das Laden von Handys zu haben. Auch im Innenraum des Autos gibt es ein paar zusätzliche Lichter, z.B. am eine flache LED Deckenbeleuchtung und einen LED Spot, der variabel den Bereich des Beifahrers oder des Stauraums ausleuchten kann.
Da der Bereich des Batteriefachs im Auto sehr verwinkelt ist, und einige Arbeiten später abseits vom Auto erledigt werden sollten, haben wir als Grundlage ein 3D Scan des Innenraumes angefertigt, und zusätzlich genaue Maße genommen. Auf dieser Basis ist ein genaues 3D Modell entstanden, mit dem sowohl das Batteriefach als auch der Schaltkasten und die gesamte Verkabelung geplant werden konnte. Dieser Prozess hat sehr geholfen, um eine möglichst gute Anordnung uns Passgenauigkeit der Elemente zu erzielen. Wir konnten dadurch auch Optimierungen vornehmen, lange bevor richtige Bauteile erst entstanden sind.
Planung des Batteriefachs in 3D
Bei Victron Energy gibt es alle Geräte als 3D Modell zum freien Download, was eine große Hilfe war. Auch um die Logik der gesamten Verkabelung zu verstehen, war das 3D Modell eine große Hilfe.
Planung des Schaltkastens in 3D
Hier war es uns wichtig, zwar alles mit unter zu bringen, aber gleichzeitig ein möglichst kleines Format zu erzielen, da der Innenraum des Autos ohnehin nicht sehr groß ist.
Neues Batteriefach
Zum Ende des Jahres 2024 waren wir für ein paar Wochen in Deutschland. Diese Gelegenheit haben wir genutzt, um in der Werkstatt meiner Eltern die geplanten Teile zu bauen. Neben der großen Auswahl an Werkzeugen und den angenehmeren Arbeitsbedingungen haben wir auch festgestellt, dass die Baumärkte im Balkan und Griechenland teilweise eine schlechte Auswahl hatten. So haben wir auch das Holz, Schrauben, Scharniere und alle benötigten Teile in einem großen deutschen Baumarkt kaufen können. Das Ergebnis wurde dann demontiert und mit einem großen Koffer zu unserem Auto nach Griechenland mitgenommen.
Zunächst wurde das in 3D geplante Batteriefach gebaut. Wir haben uns an der Stelle für ganz leichtes Pappelholz mit 1cm Stärke entschieden. Einfache, sichtbare Scharniere erfüllen hier ihren Zweck, da dieser Bereich am Ende ohnehin nur Stauraum ist und nicht wieder sichtbar sein wird. Die Klappen schließen mit Magnetverschlüssen..
Neuer Schaltkasten
Neben dem neuen Batteriefach und der Gerätewand, die sozusagen das Herz der neuen Elektrik bildet, war es uns auch sehr wichtig, dass die sichtbare Steuerung zentral an einem Ort zusammen führt und am Ende keine sichtbare Kabelführung hat.
Die im Auto vorhandene Seitenwand, die wir bei der Restaurierung mit Stoff neu bezogen haben, hat glücklicherweise dahinter einen kleinen Hohlraum, der bis zur richtigem Außenwand der Karosserie etwa 5 bis 10 cm beträgt. Diesen Raum konnten wir nutzen, um die zwischen Batteriefach und Schaltpanel verlaufenden Kabel zu verstecken.
Die Aussparungen der 12 Schalter sowie der Steckdosen wurden mit speziellen Fräsbohrern (20mm und 30mm) angefertigt. Die Aussparung für den Controller der Standheizung wurde mit Stichsäge passend ausgeschnitten. Am Ende wurde der Kasten in schwarz matt lackiert und mit den dafür vorgesehenen Schaltern und Steckdosen versehen.
Die fertigen Bauteile aus Holz sowie alle elektrischen Geräte und Kleinteile haben gerade so in einen großen Koffer gepasst. Alles ist unversehrt von Frankfurt nach Athen geflogen und konnte dann Schritt für Schritt im Auto installiert werden.
Der fertig ausgeschnittene Schaltkasten vor der finalen Lackierung.
Der große Elektrik Koffer vor der Abreise nach Athen.
Installation, Verkabelung und Inbetriebnahme
Noch nicht fertige Verkabelung, aber man sieht schon, wo die Reise hin führen soll.
Oben:
Fast fertig installierter Schaltkasten mit 12 Schaltern, 2x 12V Steckdose, 2x USB mit jeweils normalen und USB-C Ports, eine Spannungsanzeige für die Batterie, 2 zusätzliche Kippschalter, Controller der Standheizung
Geräte von Links nach rechts:
- Victron Energy Blue Smart Charger, 230V Eingangs Spannung zum Laden der 12V Verbrauerbatterie am Stromnetz, z.B. an Campsites, Parkplätzen mit Stromanschluss oder Unterkünften mit naheliegendem Parkplatz
- Victron Energy Solar Laderegler mit Bluetooth
- Sicherungskasten mit Plus und Minus für 12 Geräte
- Victron Energy Converter 24/12 zum Laden der Verbraucherbatterie beim Fahren
Geschlossenes Batteriefach
- Beide Klappen schnappen mit Magnetverschluss zu
- Über die untere Klappe haben wir Zugriff auf die Batterie, um sie z.B. abzuklemmen oder sogar herauszuheben.
- Über die obere Klappe haben wir Zugriff auf alle wichtigen Geräte. So können wir z.B. den Betiebszustand /Betriebsmodus von Geräten sehen und einstellen und bei bedarf Sicherungen austauschen. Der Sicherungskasten zeigt mit roten LEDs an, wenn eine Sicherung defekt ist.
- Für größere Arbeiten kann das gesamte Fach bei Bedarf mit wenigen Schrauben entfernt werden.
- Dieser große Bereich um das Batteriefach herum ist unser wichtigster Stauraum im Auto. Hier steht auch (auf der Beifahrerseite) unser Kühlschrank und wir verstauen hier unsere Kleidung und andere Dinge. Dieser gesamte Bereich ist am Ende nochmals durch große Holzplatten abgedeckt.
PV-Panel
Das faltbare PV-Panel mit 150W Leistung bringt uns auch Vormittag und Nachmittags bei nicht idealen Bedingungen zumindest über 100W, was für unsere Ansprüche ausreichend ist.
Der Ladestatus der Batterie lässt sich über die Victron App sehr schön überwachen. Wirt nutzen die Live Anzeige auch, um das Panel ideal auszurichten.
In den kommenden Monaten haben wir nun die Möglichkeit, das neue Setup ausgiebig zu testen. Aktuell sind wir in der Türkei, und auch im Winter erleben wir immer wieder sonnige Tage, die uns erlauben, die Batterie zu laden. Sollte die Sonne mal nicht scheinen, fahren wir ohnehin alle paar Tage eine weitere Etappe, die es uns ermöglicht, während der Fahrt die Batterie zu laden. Und im Notfall steht immer noch das 230V Ladegerät zur Verfügung. Wir müssten jetzt mit dem fertigen Update zumindest so weit autark sein, dass wir nicht alle paar Tage einen Campingplatz oder eine Unterkunft suchen müssen.
Giovanni ist bereit für die Weiterreise, und die ersten Wochen mit den Updates waren schon sehr vielversprechend.
Unsere Erfahrungen mit dem neuen System werden wir weiter festhalten und hier mit euch teilen.